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Annie Carlisle

Bonus-Szene: Schwanger im Karokleid – Ashwood Falls Buch 2

Couple standing outdoors with the title 'Pregnant in Plaid' and author's name Annie Carlisle.

Bonuskapitel – Trace


Drei Monate später

       

     Ich heirate.

     Der Gedanke trifft mich heute ungefähr zum fünfzigsten Mal, während ich vorn in der kleinen Kapelle in Ashwood Falls stehe und zusehe, wie Patrice den Gang entlang auf mich zukommt.

     Ich heirate wirklich. Die Frau, die die Kleidung unserer Tochter nach Farben sortiert. Die Mutter meines Kindes. Die Person, die meine völlig ausreichend gepackte Wickeltasche neu organisiert und es irgendwie schafft, dass ich sie dafür noch mehr liebe.

     Sie trägt ein schlichtes weißes Kleid – nichts Extravagantes, genau wie sie es wollte – und ihr Haar fällt in lockeren Wellen, die das Nachmittagslicht einfangen, das durch die Fenster fällt. Brooklyn ist irgendwo hinter ihr in Tessas Armen, versucht vermutlich, die Blütenblätter zu essen, aber ich kann meinen Blick nicht von Patrice lösen.

     Sie lächelt mich an, als wäre ich der einzige Mensch im Raum, und als sie mich erreicht, findet ihre Hand meine und drückt sie.

     »Hi«, flüstert sie.

     »Hi«, flüstere ich zurück, weil ich offenbar jede Fähigkeit verloren habe, klare Gedanken zu fassen.

     Dr. Martinez, die zugestimmt hat zu trauen, weil Kleinstadt-Alaska eben so drauf ist, grinst uns an. »Bereit?«

     »So was von bereit«, sagt Patrice.

     Die Zeremonie ist kurz. Wir sprechen unser Gelübde – das traditionelle, weil wir beide einig waren, dass wir, wenn wir unsere eigenen schreiben, entweder heulen oder unpassende Witze über Windeln machen würden. Wir tauschen Ringe. Dr. Martinez erklärt uns mit einer Wärme zu Mann und Frau, die mich daran erinnert, dass sie unsere Tochter auf die Welt gebracht hat und dabei irgendwie Familie geworden ist.

     »Sie dürfen die Braut jetzt küssen«, sagt sie.

     Ich nehme Patrice' Gesicht in meine Hände und küsse sie, als hätte ich mein ganzes Leben auf diesen Mamaent gewartet. Was, wie sich herausstellt, stimmt.

     Als wir uns lösen, protestiert Brooklyn aus Tessas Armen. Die ganze Gemeinde – alle dreißig Leute, die in diese winzige Kapelle gequetscht sind – lacht.

     »Sie protestiert gegen das öffentliche Rumgeturtel«, ruft Gage.

     »Sie ist neun Monate alt. Sie weiß nicht, was Rumgeturtel ist«, rufe ich zurück.

     »Sie weiß, dass ihre Eltern eklig sind.«

     Patrice nimmt meine Hand, und wir gehen zusammen als Mann und Frau den Gang zurück, während alle klatschen und Brooklyn unsere Lebensentscheidungen weiter kommentiert.


***


     Der Empfang in der Moosehead Lodge ist perfekt auf diese typisch kleinstädtische Art – chaotisch, laut, voller Menschen, die zu Familie geworden sind. Das Essen ist Potluck-Style, weil es hier eben so läuft. Marnie hat ungefähr sechs Aufläufe mitgebracht. Irgendein Onkel steht draußen am Grill. Es gibt eine Torte, die Tessa gemacht hat, die ein bisschen zur Seite kippt, aber nach Himmel schmeckt.

     Brooklyn wird herumgereicht wie ein kleiner Promi, gerade in den Armen von Dr. Martinez' Mann, der solche Grimassen schneidet, dass sie sich vor Lachen kugelt.

     »Ihre Tochter flirtet mit meinem Mann«, stellt Dr. Martinez fest und setzt sich neben mich an den Brauttisch.

     »Sie bricht Herzen«, stimme ich zu. »Hat sie von ihrer Mom.«

Patrice, die mithört, kickt mich unterm Tisch. »Ich habe dir nicht das Herz gebrochen.«

     »Du hast es zerlegt. Dann wieder aufgebaut. Dann mich geheiratet. Ich bin emotional sehr verwirrt.«

     »Du bist emotional sehr kitschig«, korrigiert sie.

     Gage erhebt sich, tippt mit dem Besteck ans Glas, um alle aufmerksam zu machen. »Zeit für eine Rede«, kündigt er an. »Trauzeuge. Das bin ich. Versucht, euch zusammenzureißen vor lauter Begeisterung.«

     »Mach hin«, ruft jemand von hinten.

     »Unhöflich. Na gut.« Er räuspert sich dramatisch. »Ich kenne Trace, seit wir zusammen bei der Army waren. Damals war er überzeugt, dass er sich nie niederlässt. Meinte, Festlegen ist was für Idioten. Meinte, er liebt seine Freiheit. Meinte überhaupt eine Menge dummer Sachen.«

     »Danke, Kumpel«, murmele ich.

     »Dann hat er Patrice kennengelernt. Also, technisch gesehen hat er mit Patrice geschlafen, Panik geschoben, jede Verpflichtung gemieden wie die Pest und dann erfahren, dass er Vater wird.« Gage grinst. »Ihm beim Ausflippen zuzusehen, war die beste Unterhaltung seit Jahren.«

     Die Leute lachen. Patrice drückt meine Hand.

     »Aber hier ist die Sache mit Trace«, fährt Gage fort, seine Stimme weicher. »Wenn es zählt, ist er da. Er ist der Typ, der eine Stunde Holz hackt, um Gefühle zu verarbeiten. Er ist der Typ, der einen ganzen Babyladen leer kauft, weil er panische Angst hat, nicht vorbereitet zu sein. Er ist der Typ, der die ganze Nacht ein Kinderbett falsch zusammenbaut, nur damit seine Tochter einen Platz zum Schlafen hat.«

     Mir schnürt es die Kehle zu.

     »Patrice, du hast dir einen Guten geangelt. Er wird dich in den Wahnsinn treiben mit seinen miserablen Möbelaufbau-Skills und seiner Tendenz, Wickeltaschen zu überpacken. Aber er wird dich und Brooklyn mit allem lieben, was er hat. Und Brooklyn –« Gage hebt sein Glas in Richtung Brooklyn, die gerade versucht, die Krawatte von Dr. Martinez' Mann zu essen, »– du hast den besten Papa. Auch wenn er die ersten sechs Monate Panik geschoben hat.«

     »Panik schiebe ich immer noch«, rufe ich.

     »Das nennt man Elternschaft.« Gage hebt sein Glas höher. »Auf Trace und Patrice. Möge eure Ehe voller Liebe, Lachen und korrekt aufgebauter Möbel sein.«

     Alle trinken. Ich versuche, nicht loszuheulen, und scheitere kläglich.

     Tessa steht als Nächste auf, wischt sich die Augen, weil sie schon weint. »Okay, ich bin dran. Patrice ist meine beste Freundin. Seit dem College, wo wir uns über schlechtes Mensaessen und noch schlechtere Dating-Entscheidungen angefreundet haben.«

     Patrice stöhnt. »Du erzählst ihnen doch nicht von—«

     »Todd? Hundertprozentig.« Tessa grinst durch ihre Tränen. »Es gab da diesen Typen namens Todd, der ganzjährig Cargo-Shorts trug und dachte, er wäre ein Pickup-Artist. Patrice hat drei Monate mit ihm gedatet, bevor sie gemerkt hat, dass er schrecklich ist.«

     »Zu meiner Verteidigung: Ich war sehr beschäftigt mit Tabellen.«

     »Du hast einen Trennungsplan farbcodiert.«

     »Es war effizient!«

     Der Raum lacht jetzt, und Tessas Lächeln wird wackelig. »Aber das ist das, was ihr über Patrice wissen müsst. Sie ist die mutigste Person, die ich kenne. Sie ist im siebten Monat schwanger nach Alaska geflogen, um sich einem Typen zu stellen, von dem sie dachte, er hätte sie vergessen. Sie ist allein durch eine Frühgeburt gegangen – na ja, mit Trace, der nicht in Panik geraten ist – und kam stärker daraus hervor. Sie hat ihr sorgfältig geplantes Leben in Florida aufgegeben, um hier etwas Besseres aufzubauen.«

     Tessa sieht mich an. »Trace, du bist der beste Freund meines Mannes, also Familie. Aber mehr noch: Du hast meine beste Freundin glücklich gemacht. Du hast ihr ein Leben gegeben, von dem sie nicht wusste, dass sie es will. Und du hast mir die süßeste Patentochter der Welt geschenkt.« Sie hebt ihr Glas. »Auf Patrice und Trace. Möge euer Leben voller Abenteuer, Liebe und Babys sein, die die ganze Nacht durchschlafen.«

     »Amen zu dem letzten Teil«, sagt Patrice.

     Wir essen. Wir tanzen. Brooklyn schläft auf Gages Schulter ein und wacht nicht auf, als Tessa sie vorsichtig in den Autositz setzt, den sie für heute Abend mitgebracht haben.

     »Ihr zwei habt jetzt Spaß«, sagt Tessa und zwinkert so auffällig, dass es wahrscheinlich der halbe Raum sieht. »Wir kümmern uns gut um Brooklyn.«

     »Ruf an, wenn sie irgendwas braucht«, sagt Patrice sofort.

     »Sie wird bestens klarkommen. Es ist eine Nacht. Fahrt und genießt eure Hochzeitsnacht.« Tessa umarmt uns beide. »Ihr habt es euch verdient.«

     Sie fahren mit Brooklyn los und plötzlich sind es nur wir. Das erste Mal, dass wir wirklich allein sind – kein Babyphone, keine Mitternachtssnacks, keine kleine Diktatorin, die mir mit Süßkartoffelbrei im Gesicht Aufmerksamkeit abverlangt – seit neun Monaten.

     »Wir sind allein«, sagt Patrice, als könnte sie es kaum glauben.

     »Nur wir.«

     »Was machen wir jetzt?«

     »Ich hätte da ein paar Ideen.«

     Sie lacht, und der Klang füllt den Raum, in dem sonst Brooklyns Schreie wohnen. »Bring mich nach Hause, Ehemann.«

     »Ja, Ehefrau.«


***


     Die Fahrt zurück zur Hütte dauert fünfzehn Minuten, aber sie fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Patrice' Hand liegt auf meinem Oberschenkel, ihr Daumen zeichnet Muster, die absolut ablenken, und ich fahre zweimal beinahe von der Straße.

     »Du bringst uns noch um, bevor wir ankommen«, stellt sie fest.

     »Dann hör auf, mich so anzufassen.«

     »Wie denn?« Sie schiebt die Hand höher, und ich knurre tatsächlich.

     »Du bist böse.«

     »Ich bin deine Frau. Ich darf böse sein.«

     Wir fahren in die Einfahrt, und ich bin aus dem Pickup und öffne ihre Tür, bevor sie sich abschnallen kann. Sie lacht, als ich sie hochhebe – sie ist nicht schwer, aber sie rechnet auch nicht damit, getragen zu werden, also gibt es einen Moment der unbeholfenen Justierung, bevor ich sie richtig im Griff habe.

     »Ich kann laufen«, protestiert sie.

     »Ich trage dich über die Schwelle. Ist Tradition.«

     »Wir wohnen hier seit neun Monaten.«

     »Dann trage ich dich rückwirkend über die Schwelle.«

     Ich schaffe es, uns reinzubringen, ohne sie fallen zu lassen, was ein Sieg ist. Die Hütte ist still. Leer. Unsere.

     »Keine Unterbrechungen«, sagt Patrice, und diesmal ist ihre Stimme tiefer, sanfter.

     »Endlich«, stimme ich zu und setze sie behutsam ab.

     Sie dreht sich zu mir um, und der Blick in ihren Augen lässt meinen Puls hochschießen. »Darauf warte ich den ganzen Tag.«

     »Nur heute?«

     »Okay, neun Monate. Aber besonders heute.«

     Ich nehme ihr Gesicht in die Hände und küsse sie langsam, lasse mir Zeit. Wir haben die ganze Nacht. Kein Babyphone. Kein Weinen. Keine Unterbrechungen.

     Ihre Hände gleiten über meine Brust zu meinen Schultern und ziehen mich näher. Ich drücke sie gegen die Tür, vertiefe den Kuss, und sie macht ein tiefes Geräusch in der Kehle, das ich überall spüre.

     »Schlafzimmer«, haucht sie gegen meinen Mund.

     »Bin dabei, hinzukommen.«

     »Streng dich mehr an.«

     Ich hebe sie hoch – leichter als der Schwellentransport – und sie schlingt die Beine um meine Hüften, ihr Kleid staut sich zwischen uns. Irgendwie navigiere ich bis ins Schlafzimmer, ohne gegen Möbel zu laufen, was angesichts meiner Ablenkung als Wunder durchgeht.

     Ich setze sie neben dem Bett ab, und sie greift sofort nach meiner Krawatte, zieht sie lose, während ich an den Knöpfen meines Hemds arbeite. Ihre Finger sind ungeduldig, ein bisschen fahrig, und ich fange ihre Hände ein.

     »Langsam«, sage ich.

     »Ich will nicht langsam.«

     »Wir haben die ganze Nacht. Lass mich dich ansehen.«

     Ich greife nach dem Reißverschluss ihres Kleids und ziehe ihn Zentimeter um Zentimeter runter. Der Stoff gleitet von ihren Schultern, und sie lässt ihn zu Boden fallen.

     Ich vergesse, wie man atmet.

     Darunter trägt sie weiße Spitze. Nicht die praktischen Still-BHs und bequemen Unterhosen, in denen sie monatelang gelebt hat. Das hier ist zart, kaum vorhanden, mehr Haut als Spitze.

     »Das hast du den ganzen Tag getragen?« bringe ich hervor.

     »Seit heute Morgen.« Sie grinst. »Überraschung.«

     »Ich kriege einen Herzinfarkt.«

     »Bitte nicht. Ich habe Pläne mit dir.«

     Sie knöpft mein Hemd zu Ende auf, schiebt es von meinen Schultern, ihre Hände streifen über meine Brust und meinen Bauch, sodass ich wieder vergesse zu atmen. Ich ziehe sie an mich, Haut an Haut, und ihr Gefühl nach Monaten vorsichtiger, erschöpfter, babyunterbrochener Nähe ist überwältigend.

     Ich küsse ihren Hals, ihr Schlüsselbein, die Mulde an ihrer Kehle und nehme mir Zeit, die Stellen zu erkunden, die ich auswendig kenne. Sie legt den Kopf nach hinten und gibt mir Zugang, ihre Finger verfangen sich in meinem Haar.

     »Trace«, haucht sie.

     »Ja?«

     »Bett. Jetzt.«

     Ich führe sie rückwärts, bis ihre Beine die Matratze berühren, und sie zieht mich mit runter. Die Spitze ist im Weg, und ich arbeite sie vorsichtig von ihr herunter, küsse jeden Zentimeter neu freigelegter Haut. Sie wölbt sich mir entgegen, ihr Atem geht schneller.

     »Du bist overdressed«, sagt sie und greift nach meinem Gürtel.

     Ich helfe ihr, trete Hose und Boxershorts weg, bis nichts mehr zwischen uns ist. Nur Haut und Hitze und das Gefühl, nach Hause zu kommen.

     Ich senke mich zwischen ihre Beine, stütze mich auf den Unterarmen ab, damit ich sie nicht erdrücke, und sie schlingt sich um mich, als wolle sie noch näher, obwohl wir schon so nah sind, wie zwei Menschen sein können.

     »Hi«, flüstere ich, weil sich der Moment zu groß anfühlt für alles andere.

     »Hi«, flüstert sie zurück, und dann küsse ich sie und bewege mich mit ihr, und alles andere verschwimmt.

     Ihr Körper hat sich verändert, als er Brooklyn auf die Welt gebracht hat – hier weicher, dort gezeichnet – und ich liebe jeden Zentimeter Beweis, dass sie unsere Tochter getragen hat. Ich zeichne diese Veränderungen mit meinen Händen nach, mit meinem Mund, versuche ihr zu zeigen, wie schön sie ist, wie perfekt.

     »Ich liebe dich«, sage ich an ihrer Haut.

     »Ich dich auch.« Ihre Hände klammern sich in meine Schultern, ihre Nägel graben sich leicht ein. »Hör nicht auf.«

     Tue ich nicht.

     Der Rhythmus baut sich zwischen uns auf, vertraut und neu zugleich. Sie bewegt sich mit mir, ihr Atem stockt, und ich spüre, wie sich die Spannung enger wickelt. Ich schiebe eine Hand zwischen uns, berühre sie da, wo ich weiß, dass sie es braucht, und sie schnappt nach Luft.

     »Da«, haucht sie. »Genau da.«

     Ich halte den Druck gleichmäßig, sehe ihr Gesicht, wie sie näher kommt. Ihre Augen sind geschlossen, ihr Mund geöffnet, und sie war noch nie schöner als jetzt – völlig verloren in dem hier, in uns.

     Als sie kommt, ist es mit meinem Namen auf ihren Lippen und ihrem Körper, der sich um mich zusammenzieht. Das Gefühl reißt mich mit ihr über die Kante, und für einen Moment gibt es nichts als sie und mich und das hier.


***


     Wir liegen hinterher ineinander verschlungen, beide atemlos, ihr Kopf auf meiner Brust und meine Hand, die träge Muster auf ihren Rücken malt.

     »Das war—« fängt sie an.

     »Ja.«

     »Das hätten wir vor Monaten schon machen sollen.«

     »Bin mir ziemlich sicher, dass wir’s versucht haben. Jemand hat ständig unterbrochen.«

     »Unsere Tochter hat ein furchtbares Timing.«

     »Das hat sie von dir.«

     Sie kneift mich in die Seite, und ich lache, fange ihre Hand und küsse ihre Fingerknöchel.

     »Runde zwei?« fragt sie hoffnungsvoll.

     »Gib mir fünf Minuten.«

     »Ich geb dir drei.«


***


     Später – viel später – liegen wir in Laken verheddert, beide grinsend und außer Atem.

     »Das habe ich vermisst«, sagt Patrice und fährt mit den Fingern über meine Brust. »Uns. Ohne total erschöpft zu sein oder vollgespuckt.«

     »Erschöpft sind wir immer noch.«

     »Eine andere Art erschöpft.« Sie küsst meine Schulter. »Die gute Art.«

     Mein Handy brummt auf dem Nachttisch. Dann nochmal. Und nochmal.

     »Ignorier’s«, sagt Patrice.

     »Ich versuch’s.«

     Es brummt weiter.

     »Geh ran«, seufzt sie.

     Ich greife nach dem Telefon. Drei Nachrichten von Tessa.


          Tessa: Brooklyn geht’s gut

          Tessa: Hör auf, dir Sorgen zu machen

          Tessa: Kommt euer Kind abholen, sie ist seit 5 Uhr wach und hört nicht auf, nach euch zu verlangen


     »Sie kann nicht sprechen«, sage ich. »Wie verlangt sie nach uns?«

     »Wahrscheinlich weint sie.« Patrice setzt sich auf, und ich trauere sofort um ihre Wärme. »Wir sollten sie holen.«

     »Gleich.« Ich ziehe sie für einen letzten Kuss wieder runter, langsam und tief. »Die letzte Nacht war perfekt.«

     »War sie wirklich.«

     Sie fährt mit den Fingern an meinem Kiefer entlang, ihr Blick weich. »Beste Entscheidung, die ich je getroffen habe.«

     »Nach Alaska zu fliegen oder mich zu heiraten?«

     »Beides. Definitiv beides.«

     Wir ziehen uns an – langsam, mit mehreren Kuss-Unterbrechungen – und machen uns auf, Brooklyn abzuholen. Die Hütte fühlt sich irgendwie anders an. Nicht leerer ohne sie, sondern voller. Als wären wir jetzt komplett – verheiratet, eine echte Familie, offiziell.

     »Das nächste Mal, wenn wir das machen, nehmen wir uns ein ganzes Wochenende«, sagt Patrice, als wir bei Gage und Tessa vorfahren.

     »Abgemacht.«

     Tessa öffnet die Tür mit Brooklyn im Arm, und unsere Tochter macht ein Geräusch purer Freude, als sie uns sieht, und streckt die Patschehändchen aus.

     »Mama! Dada!« plappert sie, was noch nicht ganz Worte sind, aber nah genug, um mir die Brust eng werden zu lassen.

     Ich nehme sie, und sie packt sofort meine Nase. »Hab dich vermisst, Krümel.«

     »Sie hat euch auch vermisst«, sagt Tessa. »Außerdem ist sie frisch gewickelt, gefüttert und wird wahrscheinlich in etwa fünfzehn Minuten wegpennen. Gern geschehen.«

     »Du bist die Beste«, sagt Patrice zu ihr.

     »Ich weiß. Und jetzt ab nach Hause. Seid verheiratet. Genießt euer kleines Dämonenkind.«

     Wir fahren nach Hause, Brooklyn brabbelt Unsinn auf dem Rücksitz, und als wir in die Einfahrt rollen, sehe ich zu Patrice hinüber.

     »Na«, sage ich. »Wie ist das Eheleben?«

     »Frag mich in einem Jahr nochmal.«

     »Patrice.«

     Sie grinst. »Es ist perfekt. Chaotisch und anstrengend und perfekt.«

     »Ja?«

     »Ja.«

     Brooklyn wirft ihren Schnuller von hinten an meinen Kopf, was ich mal als Zustimmung werte.

     »Willkommen im Eheleben«, sagt Patrice lachend, während ich den Schnuller vom Boden aufhebe.

     »Würde es nicht anders wollen.«

     Brooklyn macht ein Geräusch, das Zustimmung sein könnte oder die Forderung nach Snacks – bei ihr ist das schwer zu sagen. Patrice greift nach hinten und berührt den Fuß unserer Tochter, und ich beobachte die beiden im Rückspiegel.

     Jede seltsame, chaotische, übermüdete, süßkartoffelbrei-verschmierte Minute davon. 

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